Raumakustik oder Schallschutz? Zwei Probleme, die oft verwechselt werden

Andreas Bünter // 13/10/2026  

„Der Raum ist zu laut“ kann zwei sehr unterschiedliche Dinge bedeuten.

Vielleicht klingt Sprache innerhalb des Raums hart und unruhig. Vielleicht dringen aber Gespräche durch Wand, Tür oder Decke in den Nachbarraum. Das erste ist vor allem eine Frage der Raumakustik, das zweite eine Frage des Schallschutzes. Wer beides verwechselt, riskiert eine Massnahme am falschen Ort.

Zwei Sätze, zwei völlig unterschiedliche Aufgaben

„In unserem Besprechungsraum versteht man sich schlecht, sobald mehrere Personen sprechen.“

„Im Büro nebenan hören wir jedes Gespräch aus dem Besprechungsraum.“

Beide Aussagen werden im Alltag schnell mit „Akustikproblem“ zusammengefasst. Für die Planung ist diese Zusammenfassung aber zu grob.

Im ersten Fall geht es darum, wie Schall innerhalb des Raums entsteht, reflektiert wird und wieder abklingt. Im zweiten Fall geht es darum, wie viel Schall durch Bauteile, Türen, Anschlüsse oder andere Übertragungswege in einen anderen Bereich gelangt.

Raumakustik: Was innerhalb des Raums passiert

Raumakustik beschäftigt sich mit dem Klang und der Sprachwahrnehmung im Raum selbst. Typische Hinweise können sein: Sprache wirkt hart, mehrere Stimmen vermischen sich, Nachhall ist deutlich wahrnehmbar oder hybride Meetings werden schnell anstrengend.

Dabei spielen unter anderem Raumgeometrie, Oberflächen, Möblierung, Belegung und vorhandene absorbierende Flächen eine Rolle.

Akustisch wirksame Decken, Wandabsorber oder andere geeignete Absorptionsflächen können je nach Raum und System Teil einer Lösung sein. Welche Fläche, Position und Systemleistung nötig sind, sollte jedoch nicht aus einem allgemeinen Faustwert abgeleitet werden.

Schallschutz: Was zwischen Räumen übertragen wird

Schallschutz betrifft die Übertragung von Geräuschen zwischen Räumen oder zwischen innen und aussen. Wenn vertrauliche Gespräche trotz geschlossener Tür im Korridor verständlich bleiben, liegt die zentrale Frage nicht automatisch bei der Nachhallzeit im Besprechungsraum.

Mögliche Übertragungswege können beispielsweise Türen, Trennwände, Deckenanschlüsse, Lüftungswege oder bauliche Details sein. Eine dekorative oder absorbierende Wandfläche im Raum kann solche baulichen Übertragungswege nicht automatisch lösen.

Gerade bei Kanzleien, Beratungen, Praxen und anderen vertraulichen Gesprächssituationen ist diese Unterscheidung wichtig. Sprachkomfort im Raum und Vertraulichkeit zwischen Räumen sind zwei unterschiedliche Planungsziele.

Ein einfaches Beispiel

Ein Besprechungsraum besitzt Glaswände, einen harten Boden und einen grossen Tisch. Im Raum selbst klingen Stimmen deutlich und etwas hart. Gleichzeitig hört man im Korridor fast nichts, sobald die Tür geschlossen ist.

Hier liegt der erste Prüfpunkt eher bei der Raumakustik.

In einem zweiten Raum ist die Verständlichkeit am Tisch gut. Trotzdem sind Gespräche durch die Tür im angrenzenden Arbeitsplatz hörbar.

Hier wäre es falsch, einfach zusätzliche Absorber aufzuhängen und damit Schallschutz zu versprechen. Zuerst muss geklärt werden, über welchen Weg der Schall übertragen wird.

Sechs Fragen für die erste Einordnung

1. Stört der Klang innerhalb des Raums oder die Übertragung in einen anderen Raum?

2. Sind Gespräche im Nachbarbereich nur hörbar oder tatsächlich verständlich?

3. Verändert sich das Problem deutlich, wenn Türen geöffnet oder geschlossen werden?

4. Tritt das Problem nur bei mehreren Personen oder auch bei einem einzelnen Sprecher auf?

5. Gibt es bereits akustisch wirksame Decken, Wandflächen oder textile Elemente?

6. Ist das Ziel besserer Gesprächskomfort, mehr Vertraulichkeit – oder beides?

Warum diese Trennung für Resone wichtig ist

Resone Acoustic entwickelt gestalterische Anwendungen für Räume, in denen eine Bildwelt und eine technisch zu prüfende akustische Funktion zusammenkommen sollen.

Damit ist nicht automatisch jedes Akustikproblem ein Resone-Projekt. Wenn die Hauptursache ein bauliches Schallschutzthema ist, braucht es die dafür zuständigen Fachpersonen und eine geeignete bauliche Lösung.

Wenn es um die akustische Qualität innerhalb eines Raums geht, kann dagegen geprüft werden, ob eine dokumentierte Absorptionslösung gestalterisch sinnvoll integriert werden kann. In der aktuellen Pilotphase werden solche Fragen projektbezogen und ohne pauschale Leistungsversprechen betrachtet.

Fazit

Raumakustik und Schallschutz gehören beide zur akustischen Qualität von Gebäuden. Sie beantworten aber unterschiedliche Fragen.

Raumakustik: Wie klingt und funktioniert der Raum für die Menschen darin?

Schallschutz: Wie stark wird Schall in andere Räume oder nach aussen übertragen?

Wer diese beiden Ebenen zuerst sauber trennt, kann danach deutlich zielgerichteter entscheiden, welche Fachperson, Messung oder Massnahme wirklich benötigt wird.

Problem einordnen lassen

Wenn Sie nicht sicher sind, ob bei einem Besprechungs- oder Beratungsraum eher Raumakustik oder Schallschutz im Vordergrund steht, senden Sie mir eine kurze Beschreibung der Situation und einige Fotos. In einem ersten Schritt geht es nur darum, die richtige Fragestellung für die weitere Prüfung zu definieren.