Kunst für Home Staging mieten: Was sich wirklich rechnet

Andreas Bünter // 16/10/2026  

Über dem Sofa bleibt eine breite Wand frei. Der Raum ist eingerichtet, die Farben stimmen, der Fototermin steht. Ein Bild könnte die Komposition zusammenführen. Doch mit seiner Auswahl beginnen für den Home Stager weitere Fragen: Wer bezahlt es? Wer bringt es? Und wohin kommt es, wenn die Immobilie verkauft ist?

Kunst für Home Staging zu mieten kann die Anschaffung eines Originals vermeiden. Prints können den Kapitaleinsatz senken. Eine Vermittlungsprovision kann einen späteren Kunstverkauf interessant machen. Tragfähig wird die Lösung aber erst, wenn auch Transport, Hängung, Laufzeit und Rücknahme ins Budget passen. Ein möglicher Verkaufserlös sollte dabei keine feststehenden Kosten ersetzen.

Wenn ein gutes Werk nicht ins Projektbudget passt

Ein mir vorliegender LinkedIn-Beitrag aus der Home-Staging-Praxis beschreibt genau diese Spannung: Künstler bieten interessante Originale an, doch Anschaffung, wiederholter Transport und Lagerung passen oft nicht in die Projektkalkulation. Gleichzeitig unterscheidet der Verfasser ausdrücklich zwischen klassischem Staging und länger eingerichteten Musterwohnungen. Das ist ein konkreter Hinweis auf ein Problem, noch kein Nachweis einer Zahlungsbereitschaft für eine bestimmte Lösung.

Ein Original ist für eine dauerhafte Beziehung mit seinem Besitzer geschaffen. Ein Staging wird dagegen für eine begrenzte Vermarktungsphase kalkuliert. Diese beiden Zeithorizonte passen nicht automatisch zusammen.

Wer ein Werk kauft, bindet Kapital über das einzelne Projekt hinaus. Danach braucht es einen geeigneten Lagerplatz, Schutz und irgendwann einen neuen Einsatzort. Auch ein vielseitiges Bild passt nicht in jede Immobilie. Format, Farbwelt und Einrichtung verändern sich.

Für ein kleines Staging-Unternehmen kann eigene Kunstlagerhaltung deshalb wirtschaftlich kaum darstellbar sein. Sie ist allerdings nicht grundsätzlich unmöglich. Entscheidend sind die Zahl der Einsätze, die vorhandenen Räume und der Aufwand zwischen zwei Projekten.

Hinzu kommt die Logistik. Das Werk muss verpackt, transportiert, aufgehängt und wieder abgeholt werden. Ein günstiger Bildpreis hilft wenig, wenn dafür mehrere zusätzliche Fahrten notwendig sind. Für die Kalkulation zählt der gesamte Einsatz.

Kunst für Home Staging mieten: Nutzung statt Anschaffung

Bei einer projektbezogenen Miete bezahlt der Stager die zeitlich begrenzte Nutzung. Das Werk bleibt im Eigentum des Vermieters und geht nach dem vereinbarten Zeitraum zurück. Damit entfällt beim Stager der dauerhafte Bestand, sofern die Rücknahme tatsächlich organisiert ist.

Dass dieses Modell auch in der Schweiz angeboten wird, zeigt die Galerie Fahid Taghavi in Genf. Sie nennt Home Staging ausdrücklich als Mietanwendung und beschreibt Transport, Hängung sowie eine gemeinsame Bestandsaufnahme bei Lieferung und Abholung.

Solche Leistungen gehören in die Offerte. Ebenso wichtig ist, was geschieht, wenn der Verkauf länger dauert: Welche Verlängerung ist möglich? Was kostet sie? Und bleibt das ausgewählte Werk währenddessen verfügbar?

Die Angebote sind unterschiedlich aufgebaut. Racle Art weist beispielsweise Lieferung, Abholung und Hängearbeiten separat aus. Dort kann eine Jahresmiete bei einem anschliessenden Kauf angerechnet werden. Das belegt eine mögliche Gestaltung, aber keinen allgemeinen Marktstandard für kurze Staging-Projekte.

Für den Stager ist deshalb ein bezifferter Gesamtpreis für die geplante Dauer aussagekräftiger als eine niedrige Monatsmiete allein.

Prints statt Originale: eine andere Kostenstruktur

Ein guter Kunstdruck kann sinnvoll sein, wenn vor allem Format, Farbe und Bildkomposition gefragt sind. Bei einem preislich passenden Druck fällt die Kapitalbindung geringer aus als bei einem vergleichbaren Original. Einheitliche Rahmen und wiederkehrende Formate können die Handhabung vereinfachen.

Auch Prints lassen sich projektbezogen mieten. Kirsten Clark Art in Neuseeland bietet Leinwandbilder für Home Staging mit einer vierwöchigen Grunddauer an. Hin- und Rücktransport werden separat berechnet. Eine spätere Übernahme kann mit teilweiser Anrechnung der Mietgebühr vereinbart werden. Das internationale Beispiel zeigt, wie sich ein solches Angebot strukturieren lässt; es ist keine Schweizer Preisreferenz.

Ein Print löst jedoch nicht jedes Problem. Gerahmt braucht auch er Platz, Verpackung und eine sichere Hängung. Wird er gekauft, bleibt die Lagerfrage bestehen. Wird er für ein einzelnes Objekt produziert, muss geklärt sein, wer ihn danach übernimmt.

Die Werkarten unterscheiden sich zudem sichtbar. In meinen Mixed-Media-Originalen treffen Ölschichten und reliefartige Marmormehlstrukturen aufeinander. Diese tatsächliche Oberfläche lässt sich durch einen flachen Druck nicht ersetzen. Ob sie für ein Staging entscheidend ist, hängt vom Raum und der Präsentation ab.

Eine denkbare Kombination wäre deshalb ein Original an einer zentralen Wand und Prints aus dem Bestand des Stagers in weiteren Räumen. Die Auswahl folgt dem jeweiligen Zweck. Die hier beschriebenen Prints sind eine Marktalternative, kein neu eingeführtes Angebot von Bunter Fine Art.

Wenn der Immobilienkäufer das Kunstwerk behalten möchte

Während einer Besichtigung kann neben dem Interesse an der Wohnung auch Interesse an einem Bild entstehen. Käufer sehen bereits, wie es sich mit Möbeln, Wandfläche und Licht verbindet. Ein zusätzlicher Kunstverkauf ist dann möglich, aber keineswegs sicher.

Ein Vermittlungsmodell könnte so aussehen: Das Atelier legt den Verkaufspreis des Werks fest. Der Makler stellt den Kontakt zu einem interessierten Käufer her. Kommt der Kunstverkauf zustande und ist er bezahlt, erhält der vereinbarte Vermittler eine Provision.

Ein Praxisbeispiel für die Verbindung von Kunst-Staging und Vermittlung ist Art House Staging in den USA. Das Unternehmen beschreibt ein Maklerprogramm mit Vermittlungsvergütung sowie Leistungen bis zur Demontage und Rückführung. Die Website nennt dafür keinen allgemein übertragbaren Provisionssatz.

Für eine Zusammenarbeit würde ich den Kunstpreis separat vom Immobilienpreis ausweisen. So bleibt auch bei einer gemeinsamen Übergabe nachvollziehbar, was gekauft wird. Die Vergütung sollte transparent vereinbart werden: Wer erhält sie, wofür und auf welcher Berechnungsgrundlage? Sind Stager und Makler beteiligt, braucht es eine eindeutige Zuordnung.

Eine Anrechnung bereits bezahlter Miete wäre eine zusätzliche Vereinbarung. Sie sollte nicht automatisch vorausgesetzt werden. Ebenso wenig ist ein Einkaufsrabatt für Fachpartner dasselbe wie eine Vermittlungsprovision.

Die Rechnung muss auch ohne Kunstverkauf aufgehen

Für die Entscheidung helfen zwei getrennte Rechnungen. Zuerst steht der Aufwand für das Staging. Erst danach folgt die mögliche Vergütung aus einem Kunstverkauf.

ModellWas es erleichtern kannWas weiterhin kalkuliert werden muss
Original mietenKein Kauf; kein dauerhafter Kunstbestand beim StagerMiete, Hin- und Rücktransport, Hängung, Versicherung und Verlängerung
Print kaufenGeringerer Kapitaleinsatz bei passender Auswahl; wiederholte Nutzung möglichRahmen, Lagerung, Transport, Verschleiss und tatsächliche Wiederverwendbarkeit
Print mietenBegrenzte Nutzungsdauer; Rückgabe statt eigenem BestandVerfügbarkeit, Transport, Mietdauer und Schäden
Zeitweise Bereitstellung mit VerkaufsprovisionZusätzliche Einnahme bei erfolgreicher VermittlungBereitstellung und Logistik auch dann, wenn niemand das Werk kauft

Die entscheidende Frage lautet: Ist der vereinbarte Kunstanteil im Staging-Budget auch dann tragbar, wenn das Werk vollständig zurückgeht?

Falls nicht, braucht es weniger Werke, kürzere Wege, einen anderen Bildtyp oder ein anderes Objekt. Eine Provision allein beseitigt dieses Problem nicht. Sie verteilt lediglich einen Erlös, der erst noch entstehen muss.

Wo eine Zusammenarbeit eher passen könnte

Bei einer hochwertigen Musterwohnung oder einem länger eingerichteten Objekt verteilt sich der einmalige Aufwand für Lieferung und Hängung auf eine längere Nutzung. Gleichzeitig können Mietkosten weiterlaufen. Deshalb sollte auch dort die gesamte Einsatzdauer kalkuliert werden. Für ein kurzfristiges Staging mit engem Budget wäre dagegen eine kleine Auswahl aus dem vorhandenen Bildbestand des Stagers möglicherweise die passendere Lösung.

So könnte eine Zusammenarbeit mit Bunter Fine Art beginnen

Für einen ersten Versuch halte ich ein räumlich nahes, klar begrenztes Projekt für sinnvoll: ein ausgewählter Raum, wenige Werke und eine vereinbarte Dauer. Ich bin bereit, ausgewählte Originale für eine vereinbarte Zeit zu vermieten und dafür zu reservieren. Lieferung und Rücknahme kann ich regional ab Ennetbaden selbst übernehmen. Ein fertig kalkuliertes Geschäftsmodell für Home Staging gibt es bei Bunter Fine Art bisher nicht. Die folgenden Schritte sind ein Vorschlag, um mit einem interessierten Stager eine wirtschaftlich passende Lösung zu entwickeln und zu testen.

Ausgangspunkt wären Raumfotos, Wandmasse, Einrichtung, Fototermin und das verfügbare Kunstbudget. Darauf könnte eine kleine Auswahl mit zwei gestalterischen Vorschlägen folgen. Eine illustrative Raumvisualisierung hilft bei der Beurteilung von Proportion und Farbwelt. Sie ersetzt weder die reale Betrachtung noch die Prüfung der Hängung. Diesen Auswahlansatz beschreibe ich auch auf meiner Seite für Fachpartner.

Vor einer Zusage müssten wir die verfügbaren Werke und die gesamten Projektkosten bestimmen. Dazu gehören Verpackung, Anlieferung, Montage, Abholung und eine mögliche Verlängerung. Ebenso festzulegen wären Zustandsdokumentation, Versicherungsschutz und der Umgang mit Schäden. Für Inserate und Exposés würden wir die Verwendung der Werkabbildungen abstimmen.

Für weiter entfernte Standorte müsste zunächst ein geeigneter Transportdienstleister gefunden werden. Bei grenzüberschreitenden Projekten möchte ich auch die Zollabwicklung so organisieren, dass der Stager möglichst wenig zusätzlichen Aufwand hat. Dieser Ablauf ist noch zu entwickeln und für das konkrete Projekt zu prüfen.

Eine Kaufmöglichkeit könnte ergänzend vereinbart werden. Werkangaben und Preis wären für Interessenten verfügbar; die Vermittlung und eine allfällige Vergütung würden vorab geregelt. Wird das Bild nicht gekauft, steht sein Rückweg bereits fest.

Für mich wäre das die Grundlage einer passenden Zusammenarbeit: Der Stager erhält eine überschaubare Auswahl und planbare Kosten. Das Atelier kann seine Werke mit vertretbarem Aufwand bereitstellen. Und die Kunst bekommt einen Platz, an dem sie den Raum unterstützt.

Projekt besprechen: Senden Sie mir Raumfotos, Standort, geplante Einsatzdauer und Ihr Kunstbudget. Gemeinsam prüfen wir, ob eine Zusammenarbeit für Ihr Staging sinnvoll ist.